Die Ziege ist nie mit ihrem Schicksal zufrieden und treibt ihre Mitmenschen durch ihre Launen zur Verzweiflung. Sie ist aufdringlich, ohne sich darüber im klaren zu sein. Ihre Unbeherrschtheit, ihr ständiges Zuspätkommen (sie hat überhaupt kein Zeitgefühl) machen sie unerträglich. Trotzdem weiss sie zu gefallen, wenn es in ihrem Interesse liegt.
Die Ziege passt sich mit Leichtigkeit jeder Lebensweise an, sobald ihr jemand nur die geringste Sicherheit bietet. Sie hat es gern, wenn man von ihr spricht, sie führt, sie berät, aber sie verzichtet nicht auf ihre ewigen Ausflüchte und Klagelieder.
Sie gibt sich gern sanft und bescheiden, ist jedoch launisch verlanlagt. Die Ziege lässt sich leicht anbinden, aber sie zieht an ihrem Strick. Der Volksglaube sagt, dass die Ziege, die auf einer fetten Weide angebunden ist, ruhig und brav ist, während die Ziege auf einer mageren Weide unaufhörlich meckert.
Sie verhält sich so, als hinge ihr Schicksal nicht von ihr selbst, sondern nur von anderen ab. Sie ist unglaublich pessimistisch. Sie tut gern so, als sei sie es gewohnt, Befehle zu erteilen, aber in Wirklichkeit ist sie zum Gehorchen geboren. Wenn sie richtig geführt wird, kann sie Erfolg haben und sogar in einem künstlerischen Beruf glänzen, denn sie hat Geschmack.
Die Ziege möchte ein Leben in Sicherheit führen und träumt von einer reichen Heirat oder auch von einem großzügigen Gönner. Sie ist aus dem Holz geschnitzt, aus dem Kurtisanen und Parasiten gemacht sind. Aber auch aus dem Holz, aus dem die großen Künstler hervorgehen.